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Programm

Freitag, 12. Juni 2026

ZeitInhalt
8.30 – 9.00Ankommen/Begrüssungskaffee
9.00 – 9.15Eröffnung des zweiten Tages
9.15 – 10.15Keynote III: Digitale Selbsthilfe zwischen Chancen und Grenzen: Unterstützung junger Erwachsener nach Kindesmisshandlung und Mobbing
Prof. Dr. Jeannette Brodbeck
10.15 – 10.45Pause
10.45 – 12.15Parallele Angebote: Workshops und Sessions
12.15 – 13.15Mittagspause mit Stehlunch
13.15. – 14.15Keynote IV: Hallo Fachkraft, bist Du ein Mensch – Zur normativen Bedeutung der zwischenmenschlichen Begegnung für die digitale Praxis Klinischer Sozialer Arbeit
Prof. Dr. habil. Carmen Kaminsky
14.15 – 14.45Ausblick und Abschluss

Keynote III

Prof. Dr. Jeannette Brodbeck

Digitale Selbsthilfeprogramme gelten als niederschwellige und flexible Möglichkeit, psychosoziale Unterstützung bereitzustellen. Sie können unabhängig von Ort und Zeit genutzt werden und bieten gerade jungen Erwachsenen den Vorteil, in einem vertrauten digitalen Umfeld auf Hilfsangebote zuzugreifen. Damit können sie dazu beitragen, Versorgungslücken zu schliessen, Wartefristen für andere psychosoziale Unterstützungsangebote zu überbrücken und persönliche Barrieren wie Scham oder Angst vor Stigmatisierung zu verringern.
Am Beispiel der FACE-App wird die Entwicklung eines digitalen Selbsthilfeprogramms vorgestellt, das sich an junge Erwachsene mit Belastungen in der Kindheit richtet, insbesondere nach Erfahrungen von Misshandlung, Vernachlässigung oder Mobbing. Ziel der App ist die Stärkung von Resilienz und Wohlbefinden sowie die Verbesserung von Bewältigungsstrategien im Umgang mit Gefühlen und die Förderung sozialer Beziehungen. Es werden Ergebnisse zur Nutzung, Akzeptanz und Wirkung der App präsentiert und Grenzen digitaler Selbsthilfe beleuchtet. Fragen der Motivation, der nachhaltigen Nutzung sowie der Passung zu individuellen Bedürfnissen sind zentrale Herausforderungen.
Die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen digitaler Selbsthilfeprogramme eröffnet nicht nur neue Perspektiven für Forschung und Praxis, sondern auch für die Weiterentwicklung der psychosozialen Versorgung.

Parallele Angebote 10.45 – 12.15

Petra Risau
Raum A133

Immer mehr Menschen, insbesondere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, wenden sich mit ihren Sorgen an Künstliche Intelligenz. Chatbots werden nicht nur als hilfreiche Tools wahrgenommen, sondern zunehmend auch als „Freunde“ oder gar als Ratgeber:innen in Krisen. Chatbots erscheinen als empathisch und es entstehen «quasi-soziale» Beziehungen, aber sind diese Beziehungen tatsächlich «echt» und was bedeutet das für die klinische Sozialarbeit und für professionelle Beratung?

Der Workshop gibt einen Einblick in aktuelle Studien und Praxiserfahrungen zum Einsatz von KI im psychosozialen Kontext. Dabei wird ein Blick auf die Themen Selbstoffenbarung, Nähe und die Grenzen digitaler Begegnung und Beratung gelegt und folgende Fragestellungen in den Raum gestellt: Welche Chancen und Potenziale bietet ChatGPT und KI in der Beratungspraxis? Wo liegen die Risiken, insbesondere für vulnerable Gruppen? Und welche Fragen ergeben sich für die professionelle Haltung und für die Beratungspaxis von Berater:innen?

Neben einem fachlichen Input haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre eigene Haltung im Austausch mit Kolleg:innen zu reflektieren, Chancen und Grenzen gemeinsam zu diskutieren und erste Ideen zu entwickeln, wie eine verantwortungsvolle Nutzung von KI in der klinischen Sozialarbeit aussehen kann.

Format: fachlicher Input, Kleingruppenreflexion, Diskussion im Plenum

Karin Goger, Pascal Laun
Raum A141

Ausgehend von einer Kurzvorstellung wenden die Teilnehmer:innen webbasierte Programme für die Netzwerkdiagnostik, die biografische Diagnostik und/oder die Lebenslagendiagnostik an. Folgende Instrumente werden besprochen und erprobt:

easyNWK – Eine Web-App für die egozentrierte Netzwerkdiagnostik: Die Teilnehmer:innen führen ein Netzwerkinterview und erstellen kooperativ mit ihrem:ihrer Gesprächspartner:in eine Netzwerkkarte. Anschließend werden Qualitätsmerkmale des Netzwerks und der Netzwerkbeziehungen einer Analyse unterzogen.

easyBiograp – Eine Web-App für die biografische Diagnostik: Die Teilnehmer:innen führen ein biografisches Interview und erstellen kooperativ mit ihrem:ihrer Gesprächspartner:in einen biografischen Zeitbalken. Gemeinsam werden besondere Strukturen des Lebensverlaufs identifiziert.

Inklusionschart – anhand von Fallbeispielen der Teilnehmer: innen wird je nach Entwicklungsstand eine excelbasierte Variante oder eine Web-App für die Einschätzung der Inklusion, der Existenzsicherung und der Funktionsfähigkeit von Klient:innen erprobt.

Prof. Dr. Günther Wüsten
Raum A112

Soziale Arbeit als Beziehungsprofession war der Buchtitel von Silke Gahlleitner (2017). Sie rückt in den Mittelpunkt, was das Herzstück jeden Veränderungsprozesses ist. Ob Beratung, Sozialtherapie oder Coaching. Die Qualität der beratungs- oder therapeutischen Beziehung ist seit Orlinsky, Grawe und Parks (1994) der valideste und empirisch meist abgesichterste Wirk-faktor des Veränderungsprozesses. Wie kann diese Qualität hergestellt werden. Der Aktivierung von Ressourcen kommt hier eine zentrale Bedeutung zu (Flückiger und Wüsten, 2021). Auch wenn Klientinnen oder Klienten nie wegen ihrer Ressourcen in die Therapie kommen. Um ein gutes Problemverständnis zu erlangen, braucht es detailliertes Wissen zu den Lebenswelten und Situationen der ratsuchenden Personen. Für eine solche Perspektive ist es wichtig das Ver-trauen der Klientinnen oder Klienten zu gewinnen. Manche Therapie stagniert, weil belastende Themen, Emotionen oder Erfahrungen gar nicht erst mitgeteilt werden. Auch in der therapeuti-schen Begegnung spielen die Prozesse von sozialer Erwünschtheit eine Rolle. Manches wird der therapeutischen Fachperson nicht mitgeteilt, weil sich die Patientin schämt es anzuspre-chen. Besonders traumatische Erfahrungen sind oft mit Schamerleben verbunden. Scham er-zeugt als Handlungstendenz Schweigen. Aber auch andere belastende Erfahrungen können mit dem Erleben von Scham verbunden sein. Wie kann also in der Begegnung ein möglichst siche-rer Raum, der relativ frei von Schamerleben ist, aufgebaut werden. In der Beziehungsgestaltung werden Bindung und Sicherheit wichtige Qualitäten, die Einfluss nehmen auf das Ausmass des Vertrauens auf Seiten der Klientin.
Im Workshop geht es um Methoden und Konzepte mit denen Vertrauen aufgebaut werden kann. Beispiele für ressourcenaktivierende Verfahren, imaginatives Arbeiten und Selfcompas-sion werden vorgestellt und in der praktischen Anwendung erprobt. Der Workshop ist übungsba-siert und praxisnah eine aktive Beteiligung der Teilnehmenden wird erwartet. Wegen des Übungscharakters des Workshops ist die Teilnehmendenzahl auf 20 Teilenehmende begrenzt.

Julia Rehn, Silke Ababneh
Raum A030

Das „VR-Beratungstraining für die Soziale Arbeit“ nutzt digital simulierte Beratungsszenarien, die auf dem klassischen Rollenspiel im Studium der Sozialen Arbeit basieren. Mit KI-basierten, generativen Klient*innen-Avataren wird eine authentische und herausfordernde Beratungssituation erzeugt. Die Studierenden erleben die virtuellen Klientinnen und Klienten mit individuellen Biografien, Charakteren und authentischen Reaktionen. Diese immersive Methode zielt darauf ab, typische Hemmnisse in der Beratungspraxis zu senken und durch wiederholbare Simulationen Beratungskompetenzen zu fördern. Der Beitrag diskutiert die methodische Umsetzung, die Vorteile gegenüber herkömmlichen analogen Rollenspielen und die Herausforderungen in Bezug auf Bias und VR-Sickness.
(aus: Rehn, J., & Ababneh, S. (2025). VR-Beratungstraining in der Sozialen Arbeit. e-beratungsjournal.net – Zeitschrift für Online-Beratung und computervermittelte Kommunikation, 21(1), 28–36. https://doi.org/10.48341/7CYY-K583)

Die VR-Brillen wurden drei Semester (SoSe 2024-SoSe 2025) in der Hochschullehre an der ASH Berlin in verschiedenen Seminaren eingesetzt: sozialmedizinische und sozialpsychiatrischen Grundlagen (2. Semester), Handlungsmethoden mit Schwerpunkt Beratung (4. Semester) und Vertiefung Gesundheit und Soziale Arbeit (6. Semester). Die daraus resultierenden Erkenntnisse fließen als Input in den Workshop ein. Gleichzeitig soll den Teilnehmenden die Möglichkeit gegeben werden, das Tool vor Ort auszuprobieren und eigene Erfahrungen damit zu sammeln. Es stehen drei VR-Brillen mit den dazugehörigen Klientenavataren zur Verfügung.

Rose Ehemann
Raum B018

Das Living Museum ist ein radikal analoger Ort der Begegnung, des künstlerischen Ausdrucks und der Teilhabe. An der Tagung entsteht ein Pop-up-Atelier mit Kunstschaffenden aus verschiedenen Living Museums, die arbeiten und ihre Werke zeigen. Die Tagungsteilnehmenden sind herzlich eingeladen, die besondere Atmosphäre des Raumes zu erleben, ins Gespräch zu kommen, selbst gestalterisch tätig zu werden oder einfach da zu sein. So können sie Teil der sozialen Plastik des Living Museums werden, eines lebendigen Raumes, der durch Begegnung, Kreativität und gemeinsames Sein entsteht.
Ausstellung der Kunstwerke vom Vortag und anwesende Künstler:innen

Anna Weber, Jessica Krebs et al
Raum A113

Für positive Krankheitsverläufe und Versorgungskontinuität von Patient:innen mit psychischen Störungen am stationär-ambulanten Übergang ist die Einbettung in soziale Netzwerke sowie die darin erbrachte soziale Unterstützung relevant. Bislang fehlen jedoch wissenschaftlich fundierte, für die Praxis nutzbare netzwerkanalytische Instrumente zur systematischen Erfassung und Stärkung sozialer Unterstützungsnetzwerke.
Das Projekt „Netzwerkorientierung im digitalen Kliniksozialdienst (NodiKs)“ adressiert dieses Desiderat, indem ein empirisch fundierter „Netzwerkfragebogen“ in Verbindung mit einem „Netzwerkreflexionsbogen“ zur klinischen Fremdeinschätzung in die Klinikroutine integriert wird. Dadurch sollen Patient:innen mit einem Risiko für nachstationäre Unterversorgung und/oder nicht hinreichende soziale Unterstützung am Versorgungsübergang identifiziert werden. Für diese wird ein digital unterstütztes Nachsorgeangebot mit digitaler Toolbox sowie einer Therapeut:innen- und Selbsthilfebörse bereitgestellt.
Der Beitrag nimmt die digitalen, multiprofessionellen Netzwerkkonferenzen als zentrales Austauschformat des Projekts in den Blick, wo Fachkräfte klinikübergreifend Risikoeinschätzungen und interventionelle Anschlüsse diskutieren. Diese visitenähnlichen Fallbesprechungen verbinden im Sinne evidenzbasierter Praxis theoretische Konzepte, empirische Befunde und die klinische Expertise. Im digitalen Raum wird das individuelle Unterstützungsnetzwerk anhand der Netzwerkdaten und der Fremdeinschätzungen der Fachkräfte analysiert, um einerseits die Netzwerkperspektive schrittweise in die Praxis zu integrieren und andererseits eine systematische wissenschaftliche Typisierung von Risikoprofilen zu ermöglichen.
NodiKs kombiniert damit digitale klinikbergreifende Begegnungsformen unter Fachkräften und hybride Begegnungsformen mit Patient:innen zu einem innovativen Nachsorgemodell, das Brücken am Versorgungsübergang schlägt und netzwerkbezogene Ressourcen nachhaltig nutzbar macht.

Christiane Thiesen
Raum A113

Mehrwöchige Outdoor-Therapieprogramme sind international etabliert, besonders in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland, und gewinnen auch in Europa zunehmend an Bedeutung. Sie nutzen die besondere Wirkkraft von Naturaufenthalten: In Wäldern, Bergen oder an Gewässern werden Selbstwirksamkeit, Resilienz, soziale Kompetenz und emotionale Regulation gestärkt. Forschung der letzten Jahre belegt, dass Wald- und Naturerfahrungen depressive Symptome und Ängste reduzieren können und sich positiv auf Stressregulation und Wohlbefinden auswirken (Siah et al., 2023; Liu et al., 2023; Jessen et al., 2025). Auch große epidemiologische Studien zeigen, dass der Zugang zu Grünräumen das Risiko für psychische Störungen deutlich senkt – insbesondere bei sozial benachteiligten Gruppen (Zhang et al., 2024; Xian et al., 2024).
Die Wirksamkeit intensiver Naturprogramme steht jedoch vor der Herausforderung der Nachhaltigkeit: Nach mehreren Wochen in der Natur kehren die Teilnehmenden in belastete Lebenskontexte zurück. Hier setzen hybride Modelle an: Digitale online Begleitung ermöglicht es, therapeutische Beziehungen aufrechtzuerhalten, Fortschritte zu reflektieren und Rückfällen vorzubeugen. Gleichzeitig erleichtert sie die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe, Kliniken und ambulanter Versorgung.
Für Fachkräfte bedeutet dies neue Anforderungen: Sie benötigen nicht nur Kompetenzen in der Gestaltung von Outdoor-Settings, sondern auch in digitaler Beratung und Prozessbegleitung. Aus- und Weiterbildung müssen daher beide Bereiche integrieren und Qualitätsstandards für hybride Settings entwickeln.
Die Session zeigt Praxisbeispiele aus Europa und lädt zur Diskussion ein, wie analoge Tiefe und digitale Nachhaltigkeit professionell verbunden werden können, um die klinische Soziale Arbeit zukunftsfähig zu gestalten.

Kerstin Krottendorfer
Raum A130

In Folge eines chronischen Gesundheitsproblems des Kindes kommt es zu sozialen Belastungen und bereits bestehende soziale Probleme können verstärkt werden. Ausgehend von dem biopsychosozialen Verständnis setzt sich die Klinische Soziale Arbeit (KSA) in der Theorie und Praxis mit der sozialen Dimension (SD) von Gesundheit und Krankheit auseinander. Es gibt bereits Publikationen zur Determinierung der SD, jedoch im Handlungsfeld der Pädiatrie – mit Fokus auf somatische chronische Gesundheitsprobleme – ist diese bisweilen noch unzureichend.

Im Rahmen meines Dissertationsvorhabens erfolgte mittels Mixed-Method-Design eine Befassung mit der SD von Kindern/Jugendlichen mit chronischen Gesundheitsproblemen am Beispiel der Neuroonkologie (Univ. Klinik für Kinder- & Jugendheilkunde, Medizinische Universität Wien). Die Forschung gliederte sich in 3 Studienteile: retrospektive Querschnittsstudie (I) (QUAN), prospektive Längsschnittstudie (II) (QUAN) und einer Dokumentenanalyse der schriftlichen Falldokumentation der Sozialarbeitenden (III) (QUAL). Ein Großteil der Daten wurde mit dem Sozialen Diagnostikverfahren für die Klinische Soziale Arbeit in der Pädiatrischen Onkologie (DISAPO) erhoben.

Anhand der Ergebnisse kristallisieren sich fünf Bereiche der sozialen Dimension heraus, die bei einer onkologischen Erkrankung des Kindes betroffen sind und in ständiger Wechselwirkung stehen: der sozioökonomische, sozioökologische, kulturelle und strukturelle Bereich sowie die sozialen Netzwerke und soziale Unterstützung. Im Weiteren werden die Bereiche der SD von den erkrankungsbezogenen Aspekten maßgeblich beeinflusst.

Die Ergebnisse dieser Studie stärken die Determinierung der SD von Kindern/Jugendlichen mit chronischen Gesundheitsproblemen und deren Familien. Im Weiteren können Empfehlungen für die Praxis und Forschung abgeleitet werden, sodass die Behandlung dieser Zielgruppe zukünftig ganzheitlich – nach dem biopsychosozialen Verständnis – umgesetzt werden kann.

Christian Reutlinger, Thomas Meyer
Raum A130

Beratung in der Mobilen Jugendarbeit im öffentlichen Raum bedeutet weit mehr als nur Gespräche im Freien – sie ist die Kunst, in instabilen Räumen aktiv reflexive Momente herzustellen. In diesem Workshop beleuchten wir, wie Fachkräfte durch körperliche Präsenz und „Containment“ eine Brücke zu Jugendlichen schlagen können, die von klassischen Beratungsstellen oft nicht mehr erreicht werden. Gemeinsam diskutieren wir die Balance zwischen notwendiger Beziehungsnähe und professionellem Mandat in einem ungeschützten Umfeld. Im Zentrum steht die methodische Analyse von „Tür-und-Angel-Momenten“ sowie die Frage, wie unter den Bedingungen öffentlicher Dynamiken niederschwellige Unterstützung realisiert werden kann. Ergänzend reflektieren wir, wie sich diese analogen Kernkompetenzen gegenüber der zunehmenden Digitalisierung von Lebenswelten behaupten können und wo die Grenzen von Online-Tools im Vergleich zur physischen Unmittelbarkeit der Straße liegen.

Lisa Große, Silke B. Gahleitner
Raum A130
Begegnungen und Dialogizität sind der Ausgangspunkt und das Hauptmerkmal sozialdiagnostischen Fallverstehens. Sie legen die Grundlage und bilden den Inhalt der co-produktiven Zusammenarbeit der Klient*innen- und des professionellen Helfer*innen-Systems. Heute finden diese Begegnungen zunehmend auch in hybriden Räumen statt, in Verbindung realer mit digitaler Settings. In der Session werden Erkenntnisse von Mitgliedern der trinationalen (D-A-CH) AG zur Analyse von Qualitätskriterien Sozialer Diagnostik (AG QuaSoDia) präsentiert. In einem einführenden Beitrag werden Erkenntnisse zur Relevanz von Begegnungen in der Sozialen Diagnostik aus Qualitätskriterien Sozialer Diagnostik dargestellt und anhand theoretisch-konzeptioneller Prinzipien professioneller Fallarbeit diskutiert.

In weiteren Beiträgen von AG Mitgliedern werden exemplarische Perspektiven auf Begegnung und Dialogizität in analogen, digitalen und hybriden Settings Sozialer Diagnostik in einer offenen Dialogform diskutiert: Fragen wie, inwiefern Instrumente aus dem Dialog herausführen oder ihn unterstützen, inwiefern Gesprächsinhalte in digitale Daten übersetzbar sind, ob und wie unter diesen Bedingungen Vertrauen entstehen kann, was dies alles mit der (Arbeits-)Beziehung macht etc. werden diskutiert. Die Teilnehmenden sind zum Mitdiskutieren eingeladen. Die Beispiele stammen aus den Bereichen Teilhabeorientierung, Jugendhilfe, Fluchtkontexte, Suchthilfe und Hochschullehre.

Keynote IV

Prof. Dr. habil. Carmen Kaminsky

Die Klinische Soziale Arbeit ist in besonderem Masse darauf bedacht, zwischenmenschliche Begegnungen respektvoll, wohlmeinend und förderlich zu gestalten. Vor allem mit Bezug auf ihre Klientel geht es ihr darum, aus solchen Begegnungen eine vertrauenswürdige Beziehung und verlässliche Bindung erwachsen zu lassen.
Wie ist es in diesem Kontext zu beurteilen, wenn zwischenmenschliche Begegnungen nicht als das Aufeinandertreffen von Personen zu verstehen sind, sondern medial vermittelt geschehen? Diese Frage stellt sich angesichts der Verfügbarkeit neuester digitaltechnologischer Instrumente mit besonderer Schärfe.
Ist es beispielsweise zu rechtfertigen oder mitunter sogar geboten, die fachliche Seite der Begegnung mithilfe digitaler Instrumente lediglich zu simulieren?

Ausgehend von einer philosophisch anthropologischen Deutung des Begegnungsgeschehens wird es im Vortrag darum gehen, eine normativ differenzierte Sicht auf die Nutzung digitaler Instrumente im Rahmen der Klinischen Sozialen Arbeit einzunehmen. Das Ziel des Vortrags ist, ein normativ-ethisch fundiertes Schema für eine digital-professionelle Praxis Klinischer Sozialer Arbeit zu explizieren und es zur Diskussion zu stellen.

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